Dass La Palma eine Trauminsel für einen Wanderurlaub ist, ist allgemein bekannt. Dennoch fand ich keine Informationen für Wanderungen mit Kind auf dieser Insel. Hier finden Sie die guten Erfahrungen, die wir gemeinsam mit Lian-Marie (damals 4 1/2 Jahre)- gesammelt haben.

Unser Quartier hatten wir in Puerto Naos, die Startplätze sind wir jeweils im Mietwagen angefahren. Richtige Wanderer wohnen vielleicht eher in Los Llanos de Aridane, weil sie von dort aus viele schöne Touren unmittelbar starten könne, aber Los Llanos liegt hoch oben am Hang und hat keinen Strand – das hätte ich Lian nicht erklären wollen (Und mir selbst eigentlich auch nicht). Der Ortsname ist – leicht verballhornt – übrigens in den Sprachgebrauch der Familie eingegangen: „Los Latschos“ heißt es auch Jahre später immer noch, wenn man weit laufen muss.

Motivation mit dem Gipfelpaß

lapalma-gipfelpass
Motivation mit dem Gipfelpaß, Wanderungen 4 – 6

Lian hat sehr begeistert Sternchen für ihren »Gipfelpaß« gesammelt. Mit drei Sternen (= drei absolvierten Wanderungen) durfte sie für einen Urlaubstag das Programm bestimmen. Den Gipfelpaß haben wir aus einer Drittel DIN-A-4 Seite gefalten und dann ziehharmonikaförmig zusammengefalten. Die Texte ließen sich nach Bedarf ergänzen, so daß man auch noch reagieren konnte…

In unserem vierzehntägigen Urlaub haben wir es so immerhin auf sechs „Sternchenwanderungen“ gebracht, ohne daß unsere Vierjährige unzufrieden wurde. Das Schönste: Als Programmpunkt zur Belohnung für ihre ersten drei Sterne wählte sie … „noch ein Sternchen sammeln“ – also die vierte Wanderung 🙂

Literatur

Ohne Führer geht es nicht: Allein aus einer guten Karte lassen sich bei weitem nicht alle nennenswerten Informationen herauslesen. So kann man dort beispielsweise nicht erkennen, ob eine Route arg „ausgesetzt“ ist, also eng und nah am Steilhang liegt.

La Palma (Börjes/Koch), Michael Müller Verlag, August 2010:
Dieser allgemeine Führer hat sich sehr bewährt. Er enthält immerhin schon 28 Tourenbeschreibungen, so daß man schon einige Zeit auf La Palma verbringen kann. Er weist zumeist auch auf die zu erwartenden streckenmäßigen Besonderheiten hin. Z.B. auf vergleichsweise kleine Stege an der Cumbrecita.

Rother Wanderführer La Palma (Wolfsperger und Wolfsperger)
Bergverlag Rother, ISBN 376334246X
Für erwachsene Wanderer „das“ Standardwerk: Immerhin 50 Touren bietet dieser Führer. Weil er sich vor allem an geübte Wanderer richtet, ist er für Touren mit Kindern weniger geeignet. Besonderheiten, die mit Kindern zu Schwierigkeiten werden können, werden kaum berücksichtigt. Die Routen sind entsprechend den von Skipisten bekannten Farben eingestuft (blau, rot, schwarz).Von den 50 vorgestellten Wanderungen sind 5 schwarz (u.a. Trittsicherheit und Konditionsstärke erforderlich), 35 rot (überwiegend schmale Pfade und Steige) gekennzeichnet. Allerdings ist Lian – an der Hand – auch einige „rote“ Touren mitgegangen.

Die Wanderungen

Die Edelsteinwanderung: von Puerto de Tazacorte Richtung Mirador del Time

"Edelsteinsammeln" am schwarzen Strand
„Edelsteinsammeln“ am schwarzen Strand

Ein leichter, gut dosierbarer Einstieg, da für Hin- und Rückweg dieselbe Route gewählt wird. Edelsteinsammeln am Strand war der absolute Renner.

Olivine sammeln am Strand Blick auf Puerto de Tazacorte von unserem Schlusspunkt (deutlich unterhalb des Mirador del Time)Die Wanderung hat ihren Namen daher, daß wir am Startpunkt, am Strand von Puerto de Tazacorte, zunächst „Edelsteine“ am Strand gesucht haben. Es finden sich dort besonders viele grüne Olivine sowie weitere Mineralien. Daß unsere Edelsteine mitunter auch glattgeschliffene Kunstglasscherben waren, ist indes nicht ganz auszuschließen. Die Steinchen sind überwiegend sehr klein. Taktisch geschickt setzt man die Suche wohl ans Ende der Tour, denn wir konnten uns dort auch bei späteren Besuchen immer wieder stundenlang aufhalten.
Die eigentliche Wanderung startet an der nördlich steil aufragenden Bergwand des El Time. Der Einstieg auf Saumpfaden (Camino Real) ist zwischen einem Kiosk und dem Restaurant Trebol leicht zu finden, verlaufen kann man sich nicht. Den Mirador del Time haben wir nicht erreicht – uns genügte für den Anfang der Aufstieg bis etwa auf den Bergrücken, dann sind wir umgekehrt.

Genauere Beschreibung:
Börjes/Koch, Teilstück aus Wanderung 6a »In die Steilwand«.
Wolfsperger/Wolfsperger, Teilstück aus Wanderung 27 »Von Puerto de Tazacorte zum Mirador El Time«.

Die Piratenwanderung: Abstieg von Tijarafe in die »Schmugglerbucht« (Poris) und zurück

Das Ziel dieser Wanderung hat Lian sehr motiviert: Eine überraschend große Piratenbucht unter einem ausgeprägten Felsüberhang. Kleiner Haken: Hin geht es bergab – zurück muss man alles wieder bergauf laufen.

Wir haben uns – trotz spannender Routenbeschreibungen von Tunneldurchquerungen mit der Taschenlampe – zum Direktabstieg in die Schmugglerbucht entschieden.
Praktisch sind wir die Fahrstraße, die nördlich des Ortszentrums von Tijarafe an dem Mini-Supermarkt sehr steil (wirklich sehr steil!!) zum Wasser hin abzweigt, bis herunter zur Küste gegangen. Der Aufstieg führt dann über schöne Wanderwege zurück nach Tijarafe.
Eben weil man zuerst ab- und dann aufsteigt, sind wir bei dieser Wanderung motivationsmäßig an Lians Grenzen gekommen, haben es aber geschafft.

Genauere Beschreibung:
Wolfsperger/Wolfsperger: Nr. 25 »Von Tijarafe zur Piratenbucht« (Variante).

Die Vulkanwanderung am Volcán Antonio und Volcán Teneguía

Von dieser Wanderung erzählt Lian, wenn sie angeben will. Übersichtliche Strecke mit Abkürzungsmöglichkeiten auf dem spannendem Terrain eines fühl- und riechbar warmen Vulkans.

Vulkanwanderung: Blick vom - sehr windigen - zweiten Gipfel zurück
Vulkanwanderung: Blick vom – sehr windigen – zweiten Gipfel zurück

Die Route führt vom Besucherzenturm am Volcán Antonio vorbei am Roque de Teneguía mit seinen altkanarischen Spiralenzeichnungen zum Volcán Teneguía. wegen der scharfen Kanten vor allem am Vulkan Teneguía kann man Kindern auf diesem Stück auch lange Sachen bzw. sogar Handschuhe anziehen – oder man macht es wie wir und paßt gut auf.
Das Schlußstück über den Grat konnte Lian wegen des vorherrschenden erheblichen Windes leider nicht mitgehen – wir hatten Angst, daß sie heruntergeweht würde. So mußte und durfte Sebastian das Sternchen auf dem eigentlichen Gipfel allein abholen. Das Foto ist von diesem Gipfel herüber/herunter zum Warteplatz von Lian und ihrer Mutter geschossen. Keine Angst: der Weg dorthin ist nicht auf dem Bild. Und die Kamera ist auch nicht weggeflogen…

Genauere Beschreibung: Börjes/Koch, Wanderung Nr. 3 (S. 122). Es geht aber auch ohne Beschreibung, da die drei markanten Punkte gut erkennbar sind.

Die Altkanarierwanderung (El Paso nach La Fajana)

Die spiraligen Felszeichungen der Altkanarier bei La Fajana waren der kulturelle Hit des ganzen Urlaubs – sie wurden immer wieder nachgemalt.

Im Foto kaum zu erkennen: Felsritzungen der Altkanarier bei La Fajana
Im Foto kaum zu erkennen: Felsritzungen der Altkanarier bei La Fajana

Im Foto kaum zu erkennen: Felsritzungen der Altkanarier bei La Fajana

Der (kleine) Calle Capote folgt man stadtauswärts hinunter zum Barranco Tenisque in Richtung eines großen Hauses mit hoher Palme, spätestens nach der Querung des Barrancos findet man im übrigen die ersten Schilder.

Genauere Beschreibung:
Börjes/Koch »Felsbildstation La Fajana«, S. 220 ff.

Die Brückenwanderung (bei La Cumbrecita)

Clou dieser Wanderung waren die schmalen Steige, die man kaum Brücken nennen mag (siehe Bild). Mit dieser Wanderung geben wir an.

Brückenwanderung: Dieser Steig hatte es in sich… Vom klassischen Wanderparkplatz oben an der Cumbrecita aus (per Pkw zu erreichen über die Asphaltstraße, die beim Besucherzentrum El Paso von der Hauptstraße Santa Cruz de La Palma – Los Llanos de Aridane abzweigt, haben Lian und Sebastian ihre Runde gedreht – Mama konnte im Auto bzw. im Café warten. Die eigentliche Wanderung verlief nur leicht abwärts bzw. aufwärts immer im Hang. Wir sind den Schildern zum Mirador de los Roques (östlich des Parkplatzes) und anschließend von dort weiter zum Mirador del Lomo de las Chozas (unterhalb des Parkplatzes Richtung Westen) gefolgt. Hier war es etwas schwierig, Lian dauerhaft an der Hand zu halten. Wenn wir die beiden Steige vorher gekannt hätten, hätte Mama uns sicher nicht gehen lassen – hinterher waren wir aber sehr stolz darauf.

Schmale Stege auf halber Strecke (2004)
Schmale Stege auf halber Strecke

Künftigen Wanderern würde ich empfehlen, jedenfalls für die Stege ein Sicherungsseil mitzunehmen oder zumindest mit zwei Erwachsenen auf die Strecke zu gehen: Zwar klettert Ihr Kind auf dem Spielplatz viel schwierigere Strecken, aber dort geht es auch nicht so weit herunter. Weil sich auch Erwachsene zumindest mit einer Hand am Geländer festhalten müssen, wird es sonst schwierig. Im Wanderführer bei Börjes/Koch steht dazu etwas lapidar »Zweimal überqueren Sie kleine Holzbrücken über kleine Schluchten.« Für uns war das ein Abenteuer… Wählt man die andere Richtung, also erst Lomo de las Chozas und dann Mirador de los Roques, so kommt man recht bald an besagte Stege und hat es leichter, falls man umkehren möchte.

Genauere Beschreibung: Börjes/Koch Die Cumbres, Spaziergang, S. 224.

Die Nebelurwaldwanderung: Über die Cumbre Nueva, vom Refugio El Pilar bis zur Quelle

Eine sehr einfache Wanderung mit identischem Hin- und Rückweg, die man in großen Teilen (ohne Abstieg zur Quelle) vermutlich sogar mit Kinderwagen zurücklegen könnte. Wetterempfindlich!

Diese einfache Strecke ist etwas wetterempfindlich: Auf weiten Strecken läuft man auf dem Rücken der Berge und hat keinerlei Schatten oder Schutz durch Bäume zu erwarten. Andererseits ist es dort oft so bewölkt, daß man ohne Fernsicht in den dünnen Wolkenschwaden geht.

Startpunkt ist der Parkplatz beim Refugio El Pilar mit seinen diversen Picknickplätzen im Wald. Er liegt an der Cumbre Nueva einigermaßen im Zentrum der Insel. Von der dazu benutzten Verbindungsstraße zweigt etwas östlich eine Piste Richtung Norden ab (hier gibt es weitere Parkplätze). Auf dieser Piste verläuft im Prinzip der ganze Weg. Nach etwa einer Stunde (Erwachsenen-Laufzeit) erreicht man ein kleines Schild, das nach rechts unten zur Quelle weist (»La Fuente 200m«). Dazu geht es über einen kleinen Pfad durch einen spannenden Urwald aus Fayal-Brezal mit vielen Flechten und Moosen. Die eigentliche Quelle ist unspektakulär, weil sie in Stein gefaßt und sogar mit einem Wasserhahn versehen ist. Darum heißt diese Wanderung ja auch Nebelurwaldwanderung 😉
Wenn man den Picknickplatz nach der Wanderung nutzen möchte, kann man seine Verpflegung eigentlich im Auto lassen, braucht sie dann also nicht die ganze Zeit mitzuschleppen.

Genauere Beschreibung:
Wolfsperger/Wolfsperger Teilstück aus Nr. 30
Börjes/Koch, Teilstück aus Wanderung 20 »Über die Cumbre Nueva«.